- - - 28. März 2018 - - -

Lebenszeichen

 

Ich liebe diesen Zustand, wenn ich schreibe. Alles wendet sich nach innen. Dann mag ich nicht viel reden, und was ich rede, wenn ich rede, sind Befindlichkeitsberichte aus dem Inneren. Ein Zustand höchster Egozentrik. Dann kann ich nicht geben. Nur nehmen. Und ich nehme wie mit dem Staubsauger. Großflächig. Aus dem Fernseher, aus dem Radio, Wortfetzen fremder Menschen, Bücher, Musik. Mit so vielem gehe ich dann in Resonanz und kann es kaum ordnen und beschreiben. Wenn ich schreibe, muss ich viel lesen und durchlebe qualvolle Zeiten, weil ich die Begrenzungen meines intellektuellen Fassungsvermögens geradezu körperlich wahrnehme und manchmal daran zerbreche. Dann wollte ich alles schon komplett durchdacht und in meinem Kopf formuliert haben, und das Lesen macht mich ungeduldig, denn während die Autoren und Autorinnen das Ihre bereits zu Papier gebracht haben, muss ich erst noch schreiben und weiß es doch so viel besser als die, denn die hatten ja nur ihr Buchprojekt, ich aber habe meines, das ja weiterführt als das ihre und das ist qualvoll. Aber dennoch – ich liebe diesen Zustand, wenn ich schreibe. Später wird es wieder anders sein. Dann will ich zuschauen, wenn andere das Buch lesen, will ihr Mienenspiel studieren, während sie meine so mühsam gezimmerten Worte wegschnurpsen als wäre es eine Tüte Popcorn. Darüber will ich mich nicht beschweren, denn ich schreibe ja absichtlich so, wie Kartoffelchips schmecken, dass man nicht aufhören kann, bis der letzte Chip verdrückt wurde. Denn ich weiß, dass es in der Hölle einen speziellen Platz für langweilig schreibende Autoren beiderlei Geschlechtes gibt und dort will ich nicht hin. Jetzt aber schreibe ich und bitte um Entschuldigung, dass ich dann so ungesellig bin.

3 Gedanken zu „Lebenszeichen“

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