- - - 25. September 2017 - - -

Verblendung

Liebe deutsche Leser/innen,

es ist kaum möglich an diesem Tag nach den Bundestagswahlen bei euch zum Tagesgeschäft überzugehen. Der Schock in eurem Land ist groß, weil eine rechtsradikale Partei ins Parlament gewählt wurde. 90 Bundestagsabgeordnete wird es also geben, die in den kommenden vier Jahren mit Regelbrüchen und Provokationen die Themen bestimmen werden. Wir hier in Österreich leben ja schon ziemlich lange mit so einem Phänomen. Ich bin sicher, dass es bei euch in Deutschland so schlimm wie bei uns nicht kommen wird. Dazu sind eure Rechtsradikalen politisch zu unerfahren, und es fehlt ihnen jemand wie seinerzeit bei uns Jörg Haider, der ein Verführer war und ein großes Talent hatte, Menschen in die Verblendung zu führen. Das ist eigentlich gar nicht so schwierig. Die Mechanismen kann man sich aneignen. Bei uns versucht das gerade ein Milchbubi, der von gewissenlosen Drahtziehern seiner Partei zu einer Art Messias aufgebaut wird. Der Typ ist zwar hohl wie ein Bambus, aber das spielt eben genau beim Akt der Verblendung keine Rolle. Wir sind hier alle in großer Sorge wohin das führen wird. Mich tröstet augenblicklich, dass Menschen ohne echtes Charisma, wie es bei unserem Bürschchen der Fall ist, das Spiel mit der Verblendung nicht lange durchhalten. Der Hype wird zusammenfallen wie ein Soufflé an der Zugluft. Die Frage ist, wieviel Schaden er bis dahin angerichtet haben wird. Bei euch in Deutschland geht es um anderes. Verblendung ist augenblicklich nicht euer Problem und wird es auch nicht werden. Wie die ARD gestern deutlich machte, haben 60 % der Menschen, welche die AfD gewählt haben, kein Interesse an den Inhalten dieser Partei und waren sich der Gefährlichkeit dieser Leute durchaus bewusst. Das bestätigt, was ich vorgestern schrieb. Danach neigen Menschen, die sich unfair behandelt fühlen dazu, eigenen Schaden in Kauf zu nehmen, wenn sie damit jemanden bestrafen können. Das ist wohl offensichtlich passiert. Das Gute daran ist, dass es eine Politisierung in der Gesellschaft nach sich ziehen wird, die es zu nutzen gilt. Wobei zu bedenken ist, dass Politisierung und Alarmismus nicht dasselbe sind. Also beruhigt euch wieder und macht euch daran, starke Konzepte zu entwickeln.

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