- - - 2. Januar 2018 - - -

Was sollen wir sagen? Danke, Herr Hitler? – wem wir unsere ungerechten Steuerklassen zu verdanken haben und warum

 

Fotograf: Germin
Aufnahmedatum: 1940
Aufnahmeort: Hamburg
Systematik:
Geschichte / Deutschland / 20. Jh. / NS-Zeit / Propaganda / Mutterkreuz

Zurzeit beginnt die neue österreichische Regierung hier ganz bei uns in der Nähe zu tagen. Nicht irgendeine Regierung, sondern erstmalig in Europa hat ein Land eine Regierung, in der Menschen mit – sagen wir mal – rechtsradikalen und rechtsextremen Neigungen ganz wesentliche Regierungsämter besetzen. Ein guter Zeitpunkt, um einmal anzuschauen, womit wir uns seit 70 Jahren herumschlagen und warum. Unser Steuersystem, das nicht aus Zufall dem deutschen gleicht, bevorzugt die sogenannte Familie, worunter Vater, Mutter, Kinder verstanden wird. Alleinerziehende Frauen sind höchstens Familien zweiter Klasse, wenn überhaupt. Steuerlich sind sie auf jeden Fall Menschen zweiter Klasse. Gern weisen konservative Kreise darauf hin, dass die Ehe gottgefällig und deshalb eben christlich sei. Ist sie aber nicht. So, wie wir sie kennen und wie sie von der Politik etabliert wird, ist sie pures Nazitum. Wir haben diese Ungerechtigkeit, welche die Einteilung in Steuerklassen darstellt, die Frauen, insbesondere alleinerziehende Frauen finanziell benachteiligt, Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus zu verdanken. In Deutschland führte der Führer dieses System der Steuerklassen 1934 ein. In Österreich galt es (und gilt es seither noch) seit dem Anschluss 1938. Ziel dieser Steuerpolitik, die Verheiratete mit Kindern steuerlich stark entlastet und die Hauptlast den Alleinstehenden, ob mit oder ohne Kinder auf die Schultern legt, war eben genau die nazistische Sozialpolitik, die Frauen zurück an den Herd bringen wollte. Das ist ja dann auch so gut gelungen, dass wir bis auf den heutigen Tag mit dieser Demagogie leben müssen, dass jede Frau davon träumt, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Dass sie sich damit zufriedengibt, in Teilzeit „dazu zu verdienen“ (Adolf schau herunter, du hast ganze Arbeit geleistet, du Monster) und später dann ungebremst in die Altersarmut gerät. Es wäre hoch an der Zeit, dass wir dagegen mal etwas unternehmen!

Ein Gedanke zu „Was sollen wir sagen? Danke, Herr Hitler? – wem wir unsere ungerechten Steuerklassen zu verdanken haben und warum“

  1. Frohes Neues Jahr, zunächst!

    Herzlichen Dank für diese erläuternden Worte. Selbst heute, im beginnenden 21.Jahrhundert, werde ich immer noch von Frauen komisch angeschaut bzw. abwertend belächelt wenn ich erkläre, warum ich nicht heiraten möchte und ich das Konzept von „Familie“ so wie es aktuell definiert wird nicht unterstützen und vielleicht noch fördern möchte. Es ist tatsächlich ein Relikt aus bösen Tagen. Und wirkt leider immer noch.
    In diesem Sinne: ich freue mich auf die Athene-Meditation am Samstag! Auch wenn ich noch keine Krähen-/Eulenfeder aufgetrieben habe. Ich schaffe das noch.
    LG Annette

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