- - - 8. Juni 2019 - - -

Das Geheimnis erfolgreicher Sozialdemokratie und warum sie augenblicklich so rätselhaft scheitert

Die Messias-Nummer greift nur bei den Faschisten. Bei den Konservativen hat der Archetypus des Haushaltsvorstands den größten Erfolg. Und bei den Sozen muss eine Person die Chose anführen, die vor allem geliebt wird. Das ist in Wahrheit die Basis für den jeweiligen Erfolg der politischen Parteien in Österreich wie in Deutschland.

Höllen-Haider war deshalb so erfolgreich, weil er den zwielichtigen Messias gekonnt gegeben hat. Sein Kopist Strache hat die Kleinganovenvariante immerhin bedient, was so lange gutging, bis die Konservativen die Messias-Idee gefladert (übersetzt: gestohlen)haben. Zwar mussten sie das Haushaltsvorstandsprinzip auch noch unterbringen, was sie mit NLP-Sprech und Message-Control versucht haben, sonst hätten sie die alten Stammwähler verloren, aber lange hätte das nicht gehalten, weshalb ich ja der Ansicht bin, dass der Praktikant auch beim nächsten Mal alles versemmeln wird. Die Messias-Nummer bei den Konservativen – das geht schief.

Aber was ist nun mit den Sozen? In Österreich gab es das Kreisky-Wunder, das darin bestand, dass das Volk den Bruno über alles geliebt hat. Fast wie den Kaiser, weil Kreiskys Geheimnis darin bestand, das Volk zurückzulieben. In Deutschland war Brandt der Vielgeliebte. Sogar Helmut Schmidt errang sich die Liebe der Menschen, denn er war so etwas wie der Lehrer, den jede/r in seiner Klasse hatte, der immer nach dem Motto „streng, aber gerecht“ handelte. Gerhard Schröder? Den mochten sie doch schon in der Schule nicht, diesen Angeber. Na prompt haben sie ihn alsbald heimgeschickt. Martin Schulz? Der sah doch immer so aus, als hätte er sich vier Wochen lang nicht gewaschen und röche entsprechend. Sowas kann man nicht lieben. Und auch nicht wählen. Andrea Nahles? Klar war die peinlich. Megapeinlich. So eine Tante hat wahrscheinlich jede/r in der Familie. Man versucht es hinzubekommen, dass sie das nächste Familientreffen verpasst. Aber sie ist als Erste da und hat ein Witzeheft dabei, aus dem sie von Anfang bis Ende vorliest. Oder der österreichische fleischgewordene Ejaculacio praecox Kern?  Also echt nicht. Sympathisch, das schon. Sein Vorgänger Faymann? Kann man den Hausmeister der Familie Dichand lieben? Nö. Und nun Pamela. Ich würde sie sofort zur Freundin haben wollen. Aber ich würde immer darauf achten, nicht zu laut zu sprechen, damit sie keine Depressionen bekommt. Ihr fehlt das Mütterliche. Oder das breite Lachen. Sie ist keine Gebende, sondern eine, die schnell und liebenswürdig aus dem Hintergrund heraus dafür sorgt, dass alles läuft. Das ist ganz wunderbar. Aber sie ist immer wie aus dem Ei gepellt. Da fallen einem die eigenen schmutzigen Fingernägel sofort auf. So kann Volkes Liebe nicht wachsen. Was die Sozialdemokratie braucht ist eine Frau, die wie die kosmische Großmutter lauter kleine Packerln aus ihren unerschöpflichen Schürzentaschen zieht. Die den Männern ihren Platz zuweist, dafür sorgt, dass sie spuren und uns mit großem Herzen zurückliebt. Johanna Dohnal war so eine. Die Sozialdemokratie kann die Menschen nur über das Herz erreichen. Kann es sein, dass die vergessen haben, worin ihre Magie besteht?

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