- - - 13. Oktober 2020 - - -

Ein psychologischer Blick auf eine Massenpsychose

Im Umgang mit der Pandemie, die uns seit vielen Monaten im Griff behält, beschäftigt eine Sache die meisten von uns mehr und mehr. Nämlich die Frage, wie es geschehen konnte, dass so viele Menschen aus unserem Freundes-, Bekannten- oder Familienkreis sich in Bezug auf Corona-Maßnahmen so irrational verhalten. Wie kommt es, dass Menschen sich weigern, Masken zu tragen, daran glauben, dass es das Virus gar nicht gibt, dass alles ein Trick der Pharma-Industrie ist, dass wir durch Zwangsimpfungen versklavt werden sollen, dass das Virus harmlos wie eine Grippe ist und so weiter?

Es gibt verschiedene Erklärungen.

Die wichtigste: In Gefahrensituationen schaltet unser Hirn auf die Amygdala, jenen Bereich, der für genau diese Situation gerüstet ist. Die Großhirnrinde wird sozusagen abgekoppelt. Gründliches Nachdenken ist damit ersteinmal nicht mehr möglich. Stattdessen stehen nur noch drei Möglichkeiten zur Auswahl, wie es bei Gefahr angebracht ist: Angriff, Flucht, Totstellen. Ich habe es oft genug beschrieben, und man sollte meinen, dass es darüber hinaus allgemein bekannt ist. (was bedauerlicherweise nicht der Fall ist).

In Zeiten der Pandemie greift offenbar eine nicht kleine Gruppe zur Option „Angriff“. Sie gehen in den oben erwähnten Widerstand. Die Jungen, die feiern, als gäb‘s keine Pandemie gehören in die Gruppe Totstellen.

Nächste Erklärung: Unter großem Druck, und dazu kann man die Pandemie wohl zählen, bricht das psychische System mancher Menschen zusammen und zeigt akut, was bis dahin nur latent vorhanden war: psychotische Erkrankungen wie Verfolgungswahn, wozu auch dieser ganze Anti-Impfzirkus etc. gezählt werden kann. Man darf nicht übersehen, dass nicht wenige Menschen in gewaltige Existenzkrisen geraten sind. Der Druck ist teilweise extrem und die Seele zerbrechlich.

Noch eine Erklärung:

Wir sind alle in den Breitengraden der reichen Länder Schönwettermenschen, den Bewohnern eines Zoos vergleichbar. Wir haben gar keine Ahnung mehr vom echten Leben. Herausforderungen erleben die meisten als Freizeiterlebnis, und das nicht zu knapp, denn wir sind längst zu einer Amüsiergesellschaft verkommen. Es sind also immer andere, die Zoo-Wärter, für unsere Sicherheit, für unser Essen und unser Entertainment verantwortlich. Und wehe, der Laden bricht mal zusammen und funktioniert nicht mehr so wie wir glauben einen Anspruch zu haben! Dann wird rebelliert! Solidarität? Etwa auch noch mit den Alten? (die wir ja nicht ohne Grund in Pflegeheimen verstecken) Solidarität erwächst aus Gemeinsamkeiten, aus gemeinsamem Leid, gemeinsam erlittener Unterdrückung und gemeinsamen Zielen. Die haben wir Schönwettermenschen aber schon lange nicht mehr.

Und hier noch eine: Die meisten Menschen in der westlichen Hemisphäre verstehen nicht, was eine Pandemie ist. Sie verstehen das Virus und seine Folgen nicht. Es fehlt schlicht und einfach an entsprechender Bildung. Soll heißen: schon in der Schule nicht die Grundlagen dafür gelernt, ein solches Phänomen zu verstehen. Ganz besonders nicht Statistiken, auf denen viele Maßnahmen basieren. In einem Spiegelinterview sagt ein Statistiker dazu:

Alle mündigen Bürger brauchen eine statistische Grundbildung, sonst sind sie Zahlenverdrehern hilflos ausgeliefert. Ohne eine solche Grundbildung können sie zum Beispiel keine Corona-Statistiken verstehen.

Und weiter sagt er auf die Frage, warum das denn überhaupt eine Rolle spielen soll:

 Das geht bis irgendein Demagoge daherkommt und seine einfachen Botschaften mit Zahlen untermauert. Viele Leute sind dem hilflos ausgeliefert und glauben zum Beispiel, wir lebten in einer „Corona-Diktatur“. Zahlenblindheit und statistisches Analphabetentum sind gefährlich, auch für die Demokratie.

Nun muss es auch noch um die Frage gehen, was man denn tun soll, wenn ein Mensch aus dem Nahbereich plötzlich seltsame Behauptungen vertritt. Die Antwort ist leider niederschmetternd. Man kann nichts tun. Du bekommst sie nicht mit guten Worten, Beweisen und Appellen wieder zurück in unsere gemeinsame Wirklichkeit. Da keine Krankheitseinsicht existiert, denn das ist eines der Symptome, bekommt man sie auch nicht in die Psychiatrie. Es ist manchmal beängstigend, vor allem, wenn man ganz allein vor solchen Erscheinungen steht. Ich kann da nur warnen. Es gibt nämlich das Phänomen, dass Menschen vor lauter Angst vor Einsamkeit und Verlassenheit, lieber auf das abstruse Wahnmodell aufspringen, obwohl man weiß, dass es absurd ist. Bevor ihr das macht sucht euch lieber Leute, die noch nicht von allen guten Geistern verlassen sind und stärkt euch gegenseitig. Wir waren noch nie in einer solchen Situation und werden alle Hände und klaren Gehirne brauchen, wenn alles vorüber ist. Bleibt stark, bleibt gesund.

4 Gedanken zu „Ein psychologischer Blick auf eine Massenpsychose“

    1. Mein problem ist oft, dass die uneinsichtigen ja die anderen menschen, also auch mich, gefaehrden. Grad gestern war ich mit einer bekannten, mitte siebzig, spazieren und dann wollte sie ins gasthaus, aber nicht ins freie, also gastgarten, denn das ist ihr zu kalt. Ich hab nachgegeben, wir sind hinein, aber drinnen hat sie dann den abstand mitnichten eingehalten, ich bin am alleraeussersten rand der eckbank gelandet, aber das war, trotz ermahnung, nur ein signal, mir noch weiter auf die pelle zu ruecken. Ich bin jetzt noch veraergert, aber das schlimme ist, dass das beileibe kein einzelfall ist, ich komm aus dem diskutieren, argumentieren, oft gar nicht mehr heraus und bin nicht nur einmal als uebervorsichtig, hysterisch und generell naiv und das ganze nicht als uebertrieben, kampagne etc. Durschauend, abgekanzelt worden. Das sind aber jetzt keine geistig minderbemitte!ten menschen mit denen ich da zu tun habe. – schwierig, und die frage ist ja auch, wie soll eine da agieren, wenn sie sich nicht restlos isolieren kann oder will. Du bist immer in gewisser weise einfach angewiesen auf das verstaendnis der anderen, das aber meist schlicht fehlt. Hoffen wir das beste.

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