- - - 15. April 2020 - - -

Eine Frage des Vertrauens

Gibt es das Virus wirklich? Ist es in Wahrheit ganz harmlos? Stimmen die Zahlen überhaupt, die uns von der Regierung täglich geliefert werden und deren Bedeutung Krethi und Plethi sowieso nicht begreift, weil sie nicht einmal die Grundrechenarten ohne Rechnerapp auf dem Phone beherrschen? Soll die Wirtschaft auf diese Weise gesundgeschrumpft werden, und wir fallen alle darauf herein? Nützt die Ausgangsbeschränkung überhaupt etwas? Wieso kann die Alleinerziehende mit ihren Kindern nicht im Park Ball spielen? Wieso kann ein Sozialarbeiter mit seiner neunköpfigen Kinder-Wohngruppe nicht Picknick im Wald machen. Dass noch drei andere Sozialarbeiter dabei sind, ist ja nur, weil man allein auf die Kinder nicht aufpassen kann. (Beide haben sich mit einem Mimimi-Video an die verständnisvolle Facebook-Gemeinde gewandt, daher weiß ich das überhaupt).

Diese Fragen könnte man noch endlos so ausweiten.

Es gibt Umfragen, die zeigen, dass ein großer Teil der Bevölkerung in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich den offiziellen Stellen zutiefst misstraut. Man kann davon ausgehen, dass dieser Teil der Bevölkerung augenblicklich hauptsächlich damit beschäftigt ist, sich Theorien zusammenzusuchen und auszudenken, die belegen sollen, dass wir gerade gewaltig hintergangen werden. Von wem auch immer. Vor allem aber von der Regierung. Und sie sind alle völlig darauf konzentriert, Wege zu finden, wie sie ihrerseits alle Regelungen zur Bekämpfung von Covid 19 hintergehen und umgehen können. Und fühlen sich super, wenn es ihnen gelungen ist, die da oben auszutricksen. Und fühlen sich ungerecht behandelt, wenn sie erwischt und dafür bestraft werden.

Ich gehe immer davon aus, dass solche Leute nicht zu meinem Gesichtskreis gehören. Aber – ich weiß natürlich, dass das nicht stimmt. Gerade in meinem Gesichtskreis, soll heißen, unter meinen Leserinnen, Klientinnen und befreundeten Menschen sind genau solche anzutreffen.

Wie kann ich euch wieder auf den uns gemeinsamen Boden der Wirklichkeit zurückholen? Denn dass ihr den unter den Füßen verloren habt, dessen bin ich mir völlig sicher.

Auf eines möchte ich euch aufmerksam machen: Ihr wisst ja, das, was ich im Außen kritisiere, bekämpfe, fürchte oder ablehne, sind in Wahrheit eigene Persönlichkeitsanteile, die wir abspalten und nach außen projizieren, weil wir es nicht ertragen, dass wir selbst so sind. In diesem Falle zutiefst unehrliche, unreife, nur auf ihren eigenen Vorteil bedachte Menschen. Also so, wie wir es dem Staat im Umgang mit der Corona-Katastrophe zuschreiben.

Peng.

Okay, wenden wir uns also dem Vertrauen zu. Ausgehend von dem hier beschriebenen Mangel an Vertrauen. Man könnte also sagen, jede Person, die augenblicklich den offiziellen Stellen misstraut, für uns alle einen Weg aus der Krise herauszufinden, hat ganz speziell ein Problem mit Vertrauen. Soweit so gut. Viele von diesen Menschen haben mit anderen Menschen, Institutionen etc. keine guten Erfahrungen gemacht. Ein Resultat dieser schlechten Erfahrungen ist ein gewisses, sich festgesetzt habendes Misstrauen anderen und Institutionen gegenüber. Kann man von einem gesunden Misstrauen sprechen? Ich denke ja. Sofern dieser Mensch imstande ist, sein Misstrauen auch wieder aufzugeben, sobald es keinen Grund mehr dafür gibt.

Das ist der springende Punkt. Man kann miterleben, lesen, sehen, dass ein Politiker sich auf Kosten der Öffentlichkeit profilieren will, vielleicht auch seine Unternehmer-Klientel bedienen muss und deshalb bei einem menschlich fragwürdigen Wissenschaftler ein Gefälligkeitsgutachten bestellt, damit möglichst viele Leute möglichst bald wieder arbeiten gehen, um Unternehmen zu retten, auch wenn es andere das Leben kosten wird. Wenn man aus dieser Erfahrung jedoch zu dem Schluss kommt, niemals mehr zu vertrauen, den Staat grundsätzlich als Hort des Verbrechens anzusehen, hat nicht nur die demokratischen Spielregeln nicht verstanden, sondern ist auf dem Wege in die selbstgebastelte Ideologie.

Ganz schlecht ist es, wenn jemand von Misstrauen getrieben nach Bestätigung dafür suchen muss, misstrauisch sein zu dürfen. Da sind wir ganz schnell bei der Paranoia angekommen. Autsch.

Kürzlich machte eine Anwältin aus Heidelberg auf sich aufmerksam, weil sie eine Klage gegen den deutschen Staat eingereicht hatte. Ihrer Ansicht nach war der Lockdown rechtswidrig. Sie fand nicht wenige Mitstreiter/innen im Netz. Vielleicht hat die eine oder andere der Leserinnen von ihr gelesen und sie möglicherweise sogar unterstützt, weil sie so mutig ist. Anhängerinnen von ihr versuchten, Kontakt zu mir aufzunehmen. Nun, die arme Frau befindet sich seit kurzem in der Psychiatrie, und zwar in der geschlossenen Abteilung. Sie fühlte sich vom Geheimdienst verfolgt, der ihr nach ihren Angaben Killer auf den Hals geschickt hatte. Wir sollten in diesen Zeiten sehr, sehr vorsichtig damit sein, wenn jemand Verschwörungen aufzudecken unterwegs ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir es mit einem Menschen zu tun haben, dessen Seele verloren gegangen ist, ist groß.

Wir sollten uns alle fragen, ob wir dem eigenen Staat in diesen Zeiten ein Mindestmaß an Vertrauen entgegenzubringen imstande sind. Vertrauen, dass dieser Staat benötigt, um handlungsfähig zu bleiben. Die politischen Färbungen der Gruppierungen, denen augenblicklich die Macht von uns in ihre Hände gelegt wurde, sind sekundär, solange es um Leben und Tod geht. Natürlich folgen wir ihnen nicht blind. Aber mit einem Mindestmaß an Vertrauen. Und mit einer Bereitschaft, auch persönlich Verantwortung zu übernehmen, wenn es notwendig ist. Niemand von uns möchte durch unreifes Handeln schuld daran sein, dass anderswo ein Mensch deshalb stirbt, nehme ich an. Ich möchte augenblicklich nicht in der Haut der Leute stecken, die jetzt die Entscheidungen für ein ganzes Land treffen müssen. Und ich will bei aller Kritik, die ich anzubringen habe, niemals aus den Augen verlieren, dass dort auf den Plätzen der Macht Menschen sitzen. Menschen, die sich bewusst sind, dass sie mit einer falschen Entscheidung das Leben von vielen Mitmenschen riskieren. Niemand von uns muss unwidersprochen hinnehmen, was entschieden wird. Denn auch die Machtinhaber standen noch nie vor einer solchen Situation in ihrem bisherigen Leben. Gerade unsere Amateurtruppe in Österreich hat sich viele naive Schnitzer erlaubt und tut es noch. Aber immerhin, sie haben wahrgenommen, dass sich viele Stimmen erhoben und haben korrigiert. Für alles weitere ist später Zeit, wenn wir aus diesem Sturm heil herausgekommen sind.

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