- - - 27. November 2019 - - -

Familie Lot

Familie Lot

Zum Tag „Beseitigung der Gewalt gegen Frauen“ hat Margarete Stokowski in einer Frauenzeitschrift folgende tatsächlich bemerkenswerte, weil richtige Tipps gefunden:

„Täter müssen angemessenere Strafen erhalten. Jungs müssen so erzogen werden, dass ihnen jede Form von Frauenabwertung, Frauengewalt und Frauenhass zuwider ist. Das Patriarchat muss bekämpft werden“.

Aber mir reicht das nicht. Ich habe auch noch die weiblichen Mittäter im Auge. Nein, nicht die paar fehlgeleiteten Elsen, die auch zuschlagen, misshandeln und quälen. Die siedele ich auf der Täterseite an. Ich meine eher die, die solche Taten decken und damit erst möglich machen, dass dieser Horror nie ein Ende nimmt. Das sind die, die wegschauen. Oder noch schlimmer: die, die genau wie nicht wenige Männer abwiegeln:

  • Wer weiß, was die Medien da so hochpushen.
  • Ich war nie dabei, kann also gar nicht sagen, ob das stimmt.
  • Es gehören immer zwei dazu.
  • Sie/es/er wird ihn provoziert haben
  • Sie/es/er wird ihn verführt haben
  • Vielleicht ein einmaliger Ausrutscher
  • Ich trenne zwischen Werk und – wahlweise – Autor, Musiker, Familienvater
  • Das ist privat und geht uns alle gar nichts an
  • Aber er hat doch auch seine guten Seiten
  • Ich kenne ihn als Menschen und da kann man nichts sagen
  • Wer weiß, was er als Kind erlitten hat, dass er heute so geworden ist

Wir kennen diese Versuche, Alpträume wegzulächeln aus vielen Epochen. Hitlers Autobahnen, Honeckers Vollbeschäftigung sind da nur zwei Beispiele.

Aber die Sache ist natürlich noch viel älter, genau wie das Patriarchat und seine Männergewalt begünstigenden Strukturprobleme.

Zum Beispiel Familie Lot. Den meisten Menschen ist nur Frau Lot bekannt. Das ist die, der gesagt wurde, dass sie sich nicht umdrehen solle als Sodom und Gomorrah brannten und untergingen. Angeblich hat sie es doch gemacht und erstarrte zur Salzsäule. Frag mal herum, was von Herrn Lot bekannt ist. Den kennt niemand. Oft nicht einmal Theologen mit zehn Fleißkärtchen für genaues Bibelstudium. Herr Lot fliegt aus gutem Grund unterhalb des Achtsamkeitsradars. Der hat nämlich folgende Geschichte erzählt, womit er sogar bis auf den heutigen Tag durchgekommen ist. Herr und Frau Lot hatten zwei schöne junge Töchter. Und die fanden ihren greisen Vater so aufregend, dass sie ihn betrunken machten und den Wehrlosen sexuell missbrauchten. Unmöglich? Kann er seinem Friseur erzählen? Doch, echt wahr. Er hat es so erzählt. Und offenbar haben ihm alle geglaubt. Und anschließend mehr als eine der hier von mir erwähnten Abwiegelungen eingesetzt. Da bin ich mir sicher.

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