- - - 21. November 2018 - - -

Frauenleben in der Androkratie

Wenn wir Fehler machen wiegt es schwerer. Wenn wir etwas richtigmachen, ist es kein Grund für besondere Aufmerksamkeit. Wir dürfen weniger auf Gnade und Verzeihen rechnen als Männer. Wir dürfen nicht nach Herzenslust hässlich sein. Wir dürfen nicht fett sein. Aber zu dünn dürfen wir auch nicht sein. Wir sollen stets fünfe gerade sein lassen und dürfen auf keinen Fall streng sein. Wenn jemand etwas von uns will, sollen wir großzügig sein. Wir dürfen Geld nicht wichtig nehmen, aber wenn wir arm sind, dann werden wir auch nicht geliebt noch bejubelt für unsere Genügsamkeit, sondern für blöd und unfähig erklärt, abgesehen davon, dass wir natürlich immer nur Geld ausgeben und uns auf Kosten der Männer ein schönes Leben machen wollen. Wenn wir ehrgeizig sind, gelten wir als kaltherzig. Wenn wir machtbewusst sind, sind wir Mannweiber, und müssen immer daran denken, dass sie Mutti oder mein Führer zu uns sagen dürfen, wenn wir Führungsanspruch anmelden. Wenn wir uns unsere Sexpartner/innen aussuchen, sind wir Schlampen. Kleiden wir uns sexy, sind wir auch Schlampen. Ziehen wir lieber Neutrales an, sind wir unweiblich. Wenn wir Sex nicht überbewerten, sind wir frigide. Wenn wir allein leben, haben wir keinen abbekommen. Wenn wir Frauen lieben, ist der Richtige einfach noch nicht aufgetaucht. Wir dürfen nicht schmutzig sein, obwohl wir es offenbar von Natur aus sind. Ständig rinnt etwas aus unseren Körpern heraus und stinkt. Es hat blaue Farbe, was man in der Werbung sehen kann. Wir dürfen nicht dumm sein, denn dann sind wir lächerlich, aber schlau sein dürfen wir auch nicht, das macht uns unsympathisch und Männern Angst. Wir dürfen Frauen nicht kritisieren, obwohl wir von Natur aus anderen Frauen immer in den Rücken fallen. Aber andererseits dürfen wir die Männer auf keinen Fall schlecht behandeln oder sogar verachten oder – huch -hassen, dann sind wir keine Frauen. Wenn Männer Frauen hassen, dann sollen wir es ihnen verzeihen, weil sie eine strenge Mutter hatten. Wenn wir für unsere Rechte eintreten, müssen wir gleichzeitig darauf achten, dass dies nicht auf Kosten der Männer geht. Wenn jemand Forderungen im Namen der Frauen stellt, müssen wir sofort sagen, dass Männer es auch schwer haben. Wenn unsere Kinder Mist bauen, dann haben wir sie schlecht erzogen. Wenn sie gute Menschen geworden sind, ist es nicht unser Verdienst. Für unsere pubertierenden Kinder sind wir peinlicher als die Väter. Wir dürfen auf keinen Fall mehr Geld verdienen als der männliche Partner, eigentlich als alle Männer, sonst werden wir auf der Stelle verlassen. Wenn ein Mann ein Problem hat, dann ist das immer ein größeres Problem als unseres. Da können die Männer doch auch nichts dafür. Das hat die Natur so gewollt. Frauenleben in der Androkratie.

Ein Gedanke zu „Frauenleben in der Androkratie“

  1. wie wahr, liebe angelika, leider. am besten wir lösen uns in luft auf, so wir nicht gerade gebraucht werden als gratis/billigarbeitskraft, seelentrösterin, aufopferungen und unterstützungen aller art, gebären, kinderaufzucht und und und. hilfe schafft bei mir zumindest, soweit ich es zusammenbringe, nicht auf einstellungen, bewertungen usw. meiner umgebung zu hören, schon gar nicht abhängig von lob, anerkennung zu werden, dem eigenen weg zu folgen und der eigenen inneren stimme, solange eine andere menschen nicht beschädigt, dann gilt es hinzuhören und selbst abzuwägen. kein liebes braves mädel sein, das um liebe und anerkennung direkt bettelt, das war das härteste für mich. danke für den text.

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