- - - 12. Mai 2022 - - -

Politischer Grundumsatz und der Zeitplan von Mutter Erde – Neues vom Zirkus Aliti

Augenblicklich bin ich von zwei Wahrnehmungen entzückt, die in krassem Gegensatz zueinander stehen. Die eine hat mit dem Satz „Elli, es ist vorbei!“ zu tun, die andere mit Schwalben und Schafen.

Den Satz sagte ein Neos-Politiker zur österreichischen Landwirtschaftsministerin Elli Köstinger, als ihr politischer Instinkt nicht ausreichte, um zu kapieren, dass die Ära Sebastian Kurz für Österreich ausgestanden war. Mir fiel sofort ein anderer, schon älterer Elli-Satz ein, der bereits zu Volksmund geworden ist: Immer des G’schiss mit der Elli. Stammt aus der legendären Serie Monaco Franze.

Wir hatten seit Jahren immer des G’schiss mit dem Basti, und auf einmal war er weg und mit ihm mit der Zeit auch seine ganze Entourage. Und ich erinnerte mich daran, was ich so sehr am demokratischen System aus tiefstem Herzen liebe: Egal, wer es an die Spitze geschafft hat, sie bleiben nicht lang.

Als sich abzeichnete, dass der Bub Kanzler werden wird und wir mit bombastischen an Nordkorea erinnernden Wahlveranstaltungen zum Staunen gebracht wurden, war mir sehr bang. Aber ich altes Zirkuspferd wusste: das hält nicht. Der ist schneller wieder im Orkus verschwunden als andere Politiker. Zu hoher Grundumsatz für die Wähler dieser Partei, die ja eher an einer Art Unterfunktion der kollektiven Schilddrüse leiden.

So kam es ja auch. Wunderbar!

Menschengemachte Systeme sind sehr für Entropie anfällig, man kann sich nie wirklich darauf verlassen, dass es läuft. Umso froher stimmte mich das Strohfeuer des politischen Jahrhunderttalents, das erfolglos an den Grundfesten der Demokratie rüttelte.

Ganz anders Mutter Natur.

Die Schwalben sind nun aus Afrika zurück und haben sich nach ihren alten Nestern umgeschaut. Einige existieren nicht mehr, ein anderes ist schon von einem Rotschwanzpärchen besetzt. Aber da gibt es ja noch eines im Schafstall. Bisserl marod. Man sah es ihm an, dass da schon länger nicht genistet worden war. Der Stall war schon vor ein paar Jahren geschlossen worden. Nun aber stehen Tür und Fenster offen, dass Schafe und Schwalben ein- und ausgehen können nach Belieben. Das Schwalbenpärchen beschloss, dieses Nest zu wählen und machte sich sofort daran, es zu sanieren. Dazu brauchen sie Schlamm. Den gab es, sogar wunderbar gemischt mit Stroh, also bester Baustoff. Ist echt schön geworden!

Heute morgen sah ich, dass sie oben auf Rapunzels Turm intensiv mit Sex beschäftigt waren. Aha! Daraus schließe ich, dass der Nestbau für vollendet erklärt wurde, man macht sich an die Produktion für Nachwuchs.

Und mit Ausblick über Hof und Tal, den Morgenkaffee in der Hand, dachte ich: Was für ein Timing! Genau drei Tage vor Schwalbenankunft waren wir mit der Schafschererei beschäftigt, was ja eine echte Schererei ist, ein Tohuwabohu. Die Schafe hatten Zeit sich zu regenerieren, wir hatten Zeit die Wolle wegzuräumen und den Stall erst auszumisten und dann frisch einzustreuen, zack waren die Schwalben da und haben nun die Ruhe, in einem sauberen Stall die Kleinen aufzuziehen. Wir tauchen im Stall selbst nur zweimal am Tag auf, um Leckerchen zu verteilen. Ansonsten herrscht Ruhe mit entspannten Paarhufern als Mitbewohner und auch das nur zeitweilig, wenn es draußen zu warm wird.

Und ich dachte, vielleicht ist es dieser verlässliche Rhythmus des Landlebens, der mich so froh macht, dass ich gegen kein anderes Leben tauschen mag. Schert man die Schafe zu einem späteren Zeitpunkt, bringt man alles durcheinander. Am Ende kämen die jungen Schwalben im Herbst nicht zeitig genug auf den großen Flug nach Afrika.

Mutter Erdes Systeme sind langsam, aber verlässlich. Man kann ihnen vertrauensvoll folgen und muss noch nicht einmal über alles die Kontrolle haben. Eigentlich genau wie der Gang in ein Labyrinth.

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