- - - 22. September 2017 - - -

Wähler sind Lemminge?

In der Spieltheorie gibt es ein Experiment, in dem getestet wird, wie Menschen reagieren, wenn sie aufeinander angewiesen sind, weshalb Fairness ein wichtiger Faktor ist. Es besteht aus zwei Teilnehmern/innen, von denen einer hundert Euro zur Verfügung hat und der andere nichts. Aufgabe für die Person mit Geld ist, der anderen einen Betrag abzugeben. Aufgabe der anderen Person ist, dies zu akzeptieren oder nicht. Wenn sie den Betrag akzeptiert, bekommt sie ihn. Wenn sie ihn nicht akzeptiert, bekommen beide nichts, verliert auch der erste Teilnehmer sein Geld. Es geht um Fairness, wie ihr unschwer erkennen könnt. In den meisten Fällen gibt die Geldperson 30 Euro ab und die Empfangsperson akzeptiert. Soweit so gut. Eigentlich könnte man sagen, dass Person zwei alles ab 1 Euro akzeptieren könnte, denn es ist immer noch besser als nichts. Tut Person zwei aber fast nie. Sie folgt, so scheint es, einem Gefühl für Fairness, was sich darin zeigt, eben lieber gar nichts zu bekommen als ein schäbiges Angebot anzunehmen. Das dürfte uns alle nicht überraschen, denn dieses Gefühl für Fairness scheinen wir alle zu haben. (haben meine Hunde übrigens auch und das stimmt mit etlichen wissenschaftlichen Ergebnissen der Hundeforschung überein). Aber da gibt es noch etwas, und das sollte uns zu denken geben in diesen Zeiten von Dauerwahlkampf und dem sich veränderten Wählerverhalten, das sich immer niemand erklären kann, der dieses Experiment der Spieltheorie nicht kennt. Nun geht das Experiment nämlich weiter. Menschen sind, so das Ergebnis, auch bereit, draufzuzahlen und nicht nur auf einen Gewinn zu akzeptieren, wenn es darum geht, die andere beteiligte Person für ihre Ungerechtigkeit zu bestrafen. Im zweiten Durchgang wurde der Person, die ja oder nein zum abgegebenen Betrag sagen kann, gesagt, dass sie nicht nur nichts bekommt, sondern auch noch einen nennenswerten Betrag zahlen muss, wenn sie mit dem von der anderen Person gegebenen Betrag nicht einverstanden ist. Und zu aller Staunen und Überraschung haben es sich nicht wenige Personen etwas kosten lassen, den ungerechten Geber durch das eigene Nein zu bestrafen. Was das mit dem Wählerverhalten zu tun hat? Dieses Experiment sagt uns, dass Menschen tatsächlich bereit sind, etwas zum eigenen Schaden zu wählen, wenn sie damit jemand anderen bestrafen können, den sie als ungerecht empfinden. Und vielleicht habt ihr euch auch bisher gewundert, wieso Menschen, die es eigentlich besser wissen sollten, Parteien wie die AfD oder die FPÖ wählen. Du kannst ihnen noch so oft erklären, was das für Finsterlinge sind. Pah, das wissen die selbst doch auch. Sie wählen sie ganz bewusst, weil sie glauben, damit die anderen (Merkel, Schulz, die Grünen, Kern etc.) zu bestrafen, auch wenn wir dabei untergehen. Diese Finsterlinge wissen das und sind sich deshalb ihrer Sache sehr sicher. Und während ihr fleißig Aufklärungsarbeit betreibt, geben rechtschaffene Menschen Sätze von sich wie „ manchmal wünsche ich mir, dass alles im Chaos untergeht. Immer noch besser als das, was wir haben“. Und andere rechtschaffene Menschen stimmen zu. Ich bin übrigens die Person, die daneben steht mit Haaren, die zu Berge stehen. Geht bitte wählen und wählt nicht so einen hochgefährlichen Mist.

2 Gedanken zu „Wähler sind Lemminge?“

  1. Wunderbar erklärt, herzlichen Dank! Da würde ich mir wünschen der Text würde öffentlich abgedruckt, damit ihn möglichst viele so klar lesen könnten, man kann sich nämlich wirklich den Mund fusselig reden. Ich habe schon etwas Bauchweh, wenn ich an den kommenden Wahlsonntag denke…

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