- - - 24. Mai 2017 - - -

Warum es Geld kostet, meine Texte zu lesen und warum es derzeit nur ein Jahres-Abo gibt

Viele Jahre lang habe ich meine Texte täglich auf meiner Website und auf facebook für alle frei lesbar veröffentlicht. Seit zwei Jahren ist das nicht mehr so. Seitdem gibt es das Lesestoff-Abo. Für nur 77,00 Euro kannst du ein ganzes Jahr lang meine täglichen Texte lesen, die sich mit feministischer Philosophie, Seelenpflege und Seelenhygiene und manch Alltagsbetrachtung befassen. Warum? Weil ich für meine Arbeit bezahlt werden möchte genau wie du. Ist eigentlich nicht Neues. Meine 16 veröffentlichten Bücher habe ich ja auch nicht verschenkt. Bücher jedoch sind nun auch nicht mehr das Medium, um Menschen zu erreichen. Kostenlose Texte erreichen zwar die LeserInnen, aber ich schriebe mit ermattender Hungerkralle. Das ist auch kein Weg.

Inzwischen hat es ja wohl jede/r bemerkt, dass es Bemühungen gibt, dazu zurückzukehren, dass Arbeit bezahlt wird. Ich meine die Arbeit, die hinter allem steckt, das man im Internet lesen, sehen und hören kann. Spät, aber doch. Was nicht in die Köpfe hineinwill ist die Tatsache, dass dann, wenn etwas kostenlos ist, es niemals kostenlos ist. Es heißt nur, dass jemand anderer dafür zahlt. Die neuen Medien haben ganze Branchen kaputtgemacht. Die Musikbranche beispielsweise oder die Buchbranche oder augenblicklich die Printmedien. Das kann man nicht mehr rückgängig machen. Aber nun gibt es Bemühungen, die Konsumenten daran zu gewöhnen, dass Arbeit bezahlt werden muss. Auch und schön langsam vor allem im Netz. Mit unterschiedlichem Erfolg.

Ich habe erfreulicherweise genügend Abonnentinnen gefunden, um weiterschreiben zu können. Aber nun gibt es immer mal wieder Anfragen/Beschwerden/Anregungen – wie auch immer man das nennen will – ob es nicht möglich wäre, nur einzelne Beiträge zu kaufen anstatt gleich das ganze Jahres.Abo. Es sei doch recht viel Geld. Nun, was die Höhe des Abos angeht, so möchte ich darauf hinweisen, dass sich jedes Jahr, wenn es an die Verlängerung des Abos geht, eine Reihe von Frauen findet, die für das Lesestoff-Abo derjenigen Leserinnen spenden, die sich die 77,00 Euro nicht leisten können. Die Anmeldung geht so: Du meldest dich an. Dann bekommst du eine Rechnung. Nach Eingang des Geldes wirst du freigeschaltet. Wenn du um ein ermäßigtes Abo bittest, schaue ich, ob eine andere Frau gespendet hat und dann kannst du das Abo vergünstigt, manchmal sogar kostenlos bekommen, je nachdem wieviel im Spendentopf drin ist. Warum aber kannst du keine einzelnen Artikel kaufen? Warum musst du gleich die ganze Kuh kaufen, wenn du einen Liter Milch möchtest? Gegenfrage: Warum kannst du keine einzelnen Buchkapitel kaufen? Wieder Gegenfrage: Die Zeitungen machen das ja schließlich auch, dass sie einzelne Artikel verticken? Ja,  technisch wäre es jederzeit möglich. Ich müsste etwa 3.000 Euro für die Einrichtung einer entsprechenden Software investieren. Und da sind die Verwaltungskosten noch nicht einmal mit eingerechnet. Tja. Da erinnere ich mich an einige Abo-Leserinnen, die sich darüber beschwert hatten, dass sie meine Abo-Texte nicht ausdrucken können. Diesen Kopierschutz habe ich für das Abo übrigens installieren lassen, weil ich schon einmal sehr viel Geld mit einer guten Idee verloren habe, weil meine Leserinnen eine noch viel bessere Idee hatten. Damals habe ich etwa 6.000 Euro für die Produktion einer guten, professionellen CD ausgegeben, aber nur einen Bruchteil verkaufen können, weil Leserinnen sich die einfach schwarz gebrannt kopiert hatten. Wenn ich mich dann auch noch darüber beschwert hatte, war ich auf einmal die humorlose geldgierige Kuh. Darum also der Kopierschutz im Lesestoff-Abo. Es waren einige Leserinnen, die gern die Texte auch gedruckt gehabt hätten. Da habe ich mich dann mit meiner Grafikerin zusammengesetzt, und wir haben mal entworfen, die Texte alle drei Monate gedruckt herauszugeben. Ratet mal, wie viele Leserinnen die gekauft hätten? Es waren genau vier. Vier Personen. Kosten für die Produktion wären gewesen: ca. 1500 Euro. Pro Quartal. Übrigens, die, welche die Texte gern gedruckt gehabt hätten, waren nicht unter den vier bestellwilligen Leserinnen. Die haben sich gar nicht mehr gerührt. Und ich wäre auf der Kohle sitzengeblieben.  Darum gibt es die Texte nicht in gedruckter Form. Das Risiko war mir echt zu hoch. Daran muss ich jetzt denken, wenn es darum geht, die Texte einzeln  statt im Abo zu verkaufen. Wofür würde ich diesen Aufwand betreiben? Für zwei, drei Frauen, die sich fünf-, sechsmal einen Text kaufen? Technisch einfacher wäre es, den Zugang zu einem Text zeitlich möglich zu machen. Ein Tages-Abo sozusagen. Aber der Aufwand für mich, die Webmeisterin und die Buchhaltung wären beträchtlich. Für 2,39 Euro. Jeden Tag wen freischalten und wieder rausschalten. Wie soll das gehen ohne dass ich sicher sein kann, damit auch genügend Käuferinnen zu finden? Vor allem, wenn ich daran denke, dass meine Leserinnen nicht gerade die technik-affinen in Bezug auf Computer und Netz sind, ähem. Der Gedanke, mit dem Lesestoff-Abo neue Wege zu gehen ist keineswegs endgültig aus meinen Überlegungen gestrichen. Aber noch nehme ich kein Geld in die Hand, um etwas auf die Beine zu stellen, das vielleicht ein Mega-Verlust wäre.

 

7 Gedanken zu „Warum es Geld kostet, meine Texte zu lesen und warum es derzeit nur ein Jahres-Abo gibt“

  1. Liebe Angelika
    Ich habe es ja nicht so mit den Kommentaren – heute liegt es mir aber sehr am Herzen.
    Ich liebe das Abo und auch die jährliche Variante mir das Lesevergnügen bzw. den Weit- und Andersblick zu gönnen.
    EUR 0,21 pro Tag – wenn man bedenkt was Anderes so kostet – wirklich leistest. Ich finde es sehr wichtig, sich dazu zu bekennen dass Leistung kostet – das wiederum öffnet ja auch das Tor die eigene Leistung zu kennen – sie beziffern – und dadurch täglich in der Balance zu sein.
    Dein Querdenken ist ja eigentlich unbezahlbar – Danke für die Texte.

    1. warum eigentlich „unbezahlbar“ ?? Es ist unbezahlbar ! Besser wie 30 Jahre Therapie – die ich jetzt erst, im hohen Alter zu verstehen beginne. Meine Therapeutinnen, Psychologinnen, Psychiater – Atemlehrer – Logopädinnen, Geistheilerinnen und Edelstein-Frauen, Aura-Soma-Öle standen bei uns auf einem schmalen Regal über unserem Ehebett. Geschadet hat es nicht. Ich trug um meinen Hals, in Ringform, rechts und links und im Dekolletee einen Stein. Ich wundere mich heute noch das mein Mann das alles mitgetragen hat.
      Angelika, Deine Texte erzeugen in mir eine starke Resonanz und geben mir soviel – unbezahlbar – im wahrsten Sinne des Wortes …
      Ich darf diese Texte als Schlüssel nehmen, der verkrustetem schrottige Schlösser öffnet. Manchmal ist die Resonanz so stark das ich fühle wie etwas aufbricht, wie Schorf abbricht der sich über eine vorher blutende Wunde gebildet hat…
      Eigentlich – NÖ – Wirklich

  2. Danke, Angelika, dass du das so ausführlich erklärt hast. Ich wäre gestern beinahe in eine Geld-Falle getappt, habe es aber rechtzeitig gemerkt und dann doch einen angemessenen Betrag für meine geleistete Arbeit verlangt. Das hab ich geschafft, weil ich bei dir und anderen Frauen immer wieder sehe, wie wichtig es ist, für gute Arbeit gut bezahlt zu werden.

    Es steckt soviel drin in deiner Arbeit! Gut, das mal alles aufgelistet zu sehen!!!
    Für mich sind die 77 Euro eine Investition in meine seelische und sogar körperliche Gesundheit. Das ist wirklich kein hoher Preis.
    Die Texte sind ungeheuer wertvoll, und dadurch dass sie fast täglich erscheinen, lese ich sie auch fast täglich. Ein Buch hätte ich vielleicht ein Mal gelesen und dann weggelegt und vieles davon schnell wieder vergessen. Dagegen sind die fast täglichen Texte eindringlich, es findet ein regelmäßiges Lernen statt.

  3. ich finde es sehr erfrischend, dass hier so offen über geld geredet werden kann, und es hilft mir auch und bestärkt mich darin, in eigener sache, z.b. wenns um bezahlung meiner arbeit geht, klarer aufzutreten. meiner erfahrung nach ist dieses thema unter frauen bzw. mit frauen eher tabuisiert und „unschicklich“. es ist wichtig, sehr wichtig, die eigene arbeitsleistung zu benennen, ich habe mein leben lang den fehler gemacht und muss auch heute noch aufpassen, um meine kompetenzen und leistungen nicht in den schatten zu stellen und selbst zu untergraben und zu entwerten, und damit den mechanismen, frauenarbeit nicht anzuerkennen, nicht oder schlecht zu bezahlen, auch noch zuzuarbeiten. vor allem frauen müssen lernen, von frauen und von sich selbst erbrachte leistungen wahrzunehmen, wertzuschätzen und auch geld dafür zu verlangen. punkt. da ich lange im sozialbereich tätig war, kenne ich sämtliche manöver, um schlechte bezahlung, ausbeutung, scheinheiligkeit zu vertuschen, schönzureden, und weiss auch um meine eigene schwäche, meine leistungen gut zu präsentieren und abzuschwächen, und auch, mittlerweile gelingt mir das ganz gut, klar zu machen, dass ich, auch wenn ich sozial engagiert bin bzw.war, keine bedürfnislose übermutter bin und leider nicht von luft und lob alleine leben kann, sondern schlicht geld brauche um leben zu können. und geld bekommen will. die klaren positionen von dir, liebe angelika, sind bestärkend und sehr hilfreich.

  4. Ja, die eigene Arbeit wertzuschätzen muss frau lernen. Ich bin immer noch dabei. Einmal hat eine Freundin von mir sich einfach meine „Seelenbilder“. Drei von 10 hat sie verkauft für 2 Stück 180 Euro und eines für 250 Euro. Als sie mir das Geld gab sagte sie mir, das ihre Provision schon abgezogen sei.
    Sie konnte das sehr gut, im Gegensatz zu mir – sie hat es einfach getan – Basta

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