- - - 4. November 2020 - - -

Wie geht’s weiter?

Diesem Text möchte ich ein Motto von Christoph Schlingensief voranstellen. Es erklärt sich von selbst, warum.

Die größte Idee von Freiheit ist wahrscheinlich, dass man ein Problem lösen kann. (Christoph Schlingensief)

Die Dinge an diesem Punkt der Pandemie auf eben genau den Punkt zu bringen ist mein Anliegen.

Ausgangspunkt ist: weil wir alle es über den Sommer „verkackt“ haben, gibt es jetzt den neuen Shutdown. Wir alle heißt: Wir haben es nicht geschafft, solidarisch zu handeln. Zu viele Verrückte und Egoisten. Zu wenig Entschlossenheit und Klarheit von Staat und Gesellschaft, ihnen Paroli zu bieten. 

Diese zweite Welle wird schlimmer als die erste werden.

Und das ist noch nicht einmal die schlechte Nachricht. Die schlechte Nachricht bezieht sich auf die Impfstoffe, die es mit größter Wahrscheinlichkeit ab den ersten Monaten des kommenden Jahres geben wird.

Es wird sie also geben, aber sie werden nicht den Schutz geben, den wir erwarten.

Was soll das heißen?

Das soll heißen, dass sie allenfalls die schweren Verläufe der Infektionen verhindern. Sie verhindern nicht, dass man sich infiziert. Und sie verhindern nicht, dass man Symptome entwickelt. Sie verhindern nur die schweren, die lebensbedrohlichen Symptome.

Hier könnte man sich in aller Stille denken: Warum dann dieser immense Aufwand. Und wieso hilft die Impfung nicht?

Sie hilft ja. Nur nicht so, wie wir gewohnt sind, dass eine Impfung hilft. Beispiel Polio, Beispiel Masern. Sie kann einen solchen Schutz nicht liefern, weil diese Impfungen ins Bindegewebe gespritzt werden. Die Infektion findet aber auf den Schleimhäuten des Körpers statt. Natürlich werden wir auch irgendwann (!) einen vollständigen Impfschutz haben, der mithilfe von Nasenspray funktioniert, aber frühestens (!) in zwei, drei Jahren. (Quelle: Drosten).

Da auch die Impfung des medizinischen Personals und der Hochrisikogruppen einige Zeit in Anspruch nehmen werden, wird die Pandemie weitergehen. Wir feiern nicht nur Seuchen-Weihnachten, sondern auch noch Seuchen-Ostern. Und das höchstwahrscheinlich nicht nur dieses Jahr und kommendes Frühjahr.

Es heißt aber auch, dass der jetzige Shutdown nicht der letzte gewesen sein wird. Denn die einzige Maßnahme, um die Gesundheitssysteme vor dem Zusammenbruch zu bewahren, ist das gezielte Herunterfahren der möglichen Infektionsquellen. Die Steuerung durch Clusterbetreuung hat sich als Flop erwiesen. Das geht in China, aber nicht mit dem freizügigen Pöbel des Westens. Auf Eigenverantwortung zu setzen ist einfach der größte Witz in einer Welt, die Individuen wie Trump, Johnson, Strache und ähnliche Typen an die höchsten Spitzen einer Gesellschaft zu setzen fähig ist.

Wir zahlen augenblicklich einen enormen, vielleicht den höchsten Preis für eine auf der Freiheit des Einzelnen basierende Gesellschaft. Ist halt so.  Und nicht ganz ungefährlich wie wir sehen.

Da kommt es darauf an, das Richtige zu tun. Das Allerrichtigste ist, sich laufend im Klaren darüber zu halten, was los ist und was noch auf uns zukommen wird, damit wir vorbereitet sind. Vorbereitet worauf? Einerseits das Größtmögliche zu tun, um die eigene Gesundheit, das eigene Leben und das der anderen nicht fahrlässig zu gefährden. Und andererseits unsere Freiheit zu wahren und vor solchen Idioten wie die oben erwähnten Typen und ihrer Gefolgschaft zu beschützen.

Schauen wir also laufend genau hin wie es mit der Pandemie weitergeht. Bisher hat Herr Lauterbach (Deutschland) mit seinen Prognosen immer recht gehabt. Und Herr Drostens (Deuschland) Erklärungen waren immer die Richtigen. Nicht alle haben Zeit und Kraft, sich seine Podcasts zur Gänze anzuhören. Darum habe ich mir erlaubt, hier mal wieder etwas zusammenzufassen.

Das Virus und wir werden für die nächsten zwei, drei Jahre eine Art On-Off-Beziehung haben. Ich hoffe, dass wir alle diese Zeit gut überstehen und uns viel Neues einfallen lassen, das mehr ist als nur geeignet, Notlagen zu überbrücken. Denn unser altes Leben war in vielfacher Hinsicht ja eh ein Auslaufmodell.

Hüten wir trotz alledem und vor allem Kunst und Kultur. Ohne sie können wir genauso wenig leben wie ohne Überlebensmittel wie Medizin und gutes Essen. Setzen wir neue und bessere Prioritäten und stehen wir einander bei.

Wir könnten diese unangenehme, bedrückende Zeit nutzen und alles verändern, was uns bisher in Wahrheit gar nicht glücklich gemacht hat. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Schreibe einen Kommentar