- - - 10. Februar 2021 - - -

Wie Mutter Erde die Sache vielleicht sieht

Das für uns Menschheit vielleicht größte Problem mit der Pandemie ist möglicherweise, dass  zu wenige Menschen bisher begriffen haben, was diese Seuche für uns bedeutet. Ich habe sogar das Gefühl, der Albtraum verschwindet erst, wenn wir es als Menschheit verstanden haben und einfach nur das Richtige tun. So etwas Ähnliches wie das Zauberwort zu kennen. Das klingt ein wenig märchenhaft und esoterisch. Aber es ist wohl an der Zeit die Dinge mal wieder von dieser Seite aus zu betrachten.

Wir wissen, dass diese zweite Welle da ist, weil wir alles falsch gemacht haben, nachdem die erste Welle fast auf Null abgeflacht war.

Nur was?

Die Hygieneregeln nicht beachtet?

Nein, das ist nicht die richtige Antwort. Das heißt ja, natürlich ist es die richtige Antwort, aber doch nicht, denn es geht um etwas anderes, bei dem die Aha-Regeln nur ein kleiner Teil der Antwort sind.

Betrachten wir die Dinge doch mal so wie Mutter Erde sie sehen mag.

Mutter Erdes größtes Problem ist augenblicklich, dass die Menschheit nicht weiß, was die Menschheit für Mutter Erde bedeutet.

Es ist ein Zeichen von Intelligenz und Empathie, sich in andere und ihre Sichtweise, ihre Erfahrungen und Probleme hineinversetzen zu können.

Warum machen wir das hier nicht einfach mal?

Nur los!

Ich probiers mal.

Aus göttlicher Sicht – und einen riesigen Planeten, der ja ein Organismus ist, als gottgleich anzusehen liegt nahe, oder? – also aus göttlicher Sicht sind wir Menschen ein Fail.  

Wer schon mal Gäste im Haus hatte, die sich wie Rotz am Ärmel benommen haben, wird wissen, wie sich Mutter Erde in Bezug auf uns fühlt. Dabei sind wir noch viel, viel schlimmer als noch der übelste Gast, den wir mal hatten.

Fast acht Milliarden von uns rennen herum und zerstören was das Zeug hält. Und täglich wird es mehr, so wie auch wir täglich mehr werden.

Was macht man, wenn die Grenze erreicht ist? Man haut die Leute raus.

Was macht man, wenn man sie nicht so ohne weiteres loswird?

Man macht ihnen gewaltig Dampf. Angst. Druck. Setzt ihnen – wie man so schön sagt – das Messer an die Brust.

Mutter Erdes Messer sind kleine Lebewesen (im Lebewesen erschaffen ist sie einfach unschlagbar), die mal gewaltig aufräumen in dem verrückt gewordenen Zirkus.

Schlaue Idee.

Weil sie aber alle ihre Kinder liebt, auch die missratenen (also uns), bekommen wir eine kleine zweite Chance.

Wenn wir das Zauberwort kennen, ist der Bann gebrochen, den sie über uns gelegt hat.

Nun ist die Sache natürlich ziemlich kompliziert, also mit Frosch küssen kommen wir diesmal nicht davon.

Es ist eigentlich gar nicht so schwer. Zumal sie uns einige Hinweise gegeben hat, so wie bei einer Schnitzeljagd. Zuerst einmal hat sie uns ein junges Mädchen vor die Nase gesetzt, die bis dahin als ziemliche Schreckschraube unterwegs war. Aber weil sie als Autistin erstens immer die Wahrheit sagen muss und außerdem keinen Mut braucht, um auch noch gegen Millionen Vollidioten anzutreten, weil sie eben nicht anders kann, als eine Idee konsequent zu verfolgen, war sie die perfekte Besetzung. Die bis dahin reichlich von der Schreckschraube gestressten Eltern waren wahrscheinlich auch froh, dass die Kleine endlich eine richtige Aufgabe für sich gefunden hat.

Aber es hat nichts genützt. Das hätte Michael Ende uns auch gleich sagen können, dass Momo nur ein schöner Roman ist.

Also musste das Virus ran.

Wobei ich mal vermute, das widerliche kleine Ding ist erst der Anfang.

Mutter Erde hat ganz sicher noch völlig andere Trümpfe im Talon. Mit „Trümpfe“ meine ich „Dinge“, die so vernichtend sind, dass wir uns nach der Pandemie zurücksehnen werden.

Aber, es ist noch nicht alles verloren. Noch können wir das Zauberwort finden. (Das natürlich eben nicht einfach nur ein Wort ist).

Der nächste Hinweis ist genau im Geschehen der Pandemie versteckt. Man muss nur genau hinschauen.

Wozu zwingt das Virus uns?

Dazu, dass die Zivilisation stillstehen muss. Soweit klar. Industrie stopp. Geldmaschine stopp. Gesundheitssystem am Limit. Tourismus ganz doll stopp.

Und weiter?

Alle müssen auf Abstand gehen. Junge kommen meist durch. Alte beißen meist ins Gras.

Was wird schmerzlich vermisst?

Solidarität, Liebe zum Nächsten, Zuwendung, Optimismus

Wer hält den Laden am Laufen?

Frauen.

Fällt uns was auf?

Wodurch halten Frauen den Laden am Laufen?

Durch Solidarität, Liebe zum Nächsten, Zuwendung, Optimismus.

Was tun wir? So als Menschheit?

Wir lassen das mit den Frauen halt so mitlaufen und beschäftigen uns lieber mit dem Problem, dass die Industrie laufen muss, die Geldmaschine muss wieder angeworfen werden, der Tourismus muss von den Toten auferstehen.

Setzt sich doch durch, dass die Aufmerksamkeit den Frauen und ihrem Tun gilt, kommt die originelle Deutung, dass sie systemrelevante Arbeit leisten und dafür unterbezahlt werden. Glaubt irgendjemand wirklich, dass Mutter Erde damit zufrieden ist?

Würde das Virus verschwinden, wenn die so genannte Frauenarbeit auf einmal super bezahlt würde?

Nein, nicht das Virus würde verschwinden, sondern die Frauen. Weil gut bezahlte Jobs von Männern gemacht werden. So wie es mit dem Programmieren seinerzeit geschehen ist. Diese reichlich nervtötende Arbeit wurde ursprünglich genau deshalb den Frauen aufgehalst. Erst als sich damit sehr, sehr viel Geld verdienen ließ, haben die Männer die Branche an sich gerissen. Nein, mit der Anerkennung der Care-Arbeit von Frauen ist es nicht getan. Deshalb hört Mutter Erde nicht auf, uns die Hölle heiß zu machen.

Wir müssen alle solidarisch werden, alle unsere Nächsten lieben, alle allen Zuwendung schenken! Wenn die Jungen freiwillig und fest entschlossen das Virus bekämpfen, damit die Alten nicht daran sterben müssen, geht es fort und kehrt nie wieder. Wenn die Alten den Jungen dafür dankbar sind, dann….wenn das Leben der Menschen mehr wert ist als Geld….wenn wir wirklich zusammenhalten…..wenn wir merken, wie sehr uns die anderen fehlen….wenn wir Mutter Erde mehr lieben als Beton und Asphalt…..dann.

Liebe ist das Zauberwort. Aber nur in ihrer praktizierten Form. Liebe.

PS: Dieser Text stammt vom 30. Oktober. Ich habe den Eindruck, dass er jetzt, auf dem Höhepunkt der zweiten Welle und angesichts immer neuer und gefährlicherer Mutationen eine Wiederholung wert ist. Auch stelle ich ihn mal frei.

Schreibe einen Kommentar