- - - 8. Januar 2017 - - -

Zu was sagst du nein?

Auch dies eine wichtige Frage:

Wir sprachen ja davon, dass das Leben dich ununterbrochen durch seine Ereignisse und Begegnungen fragt, wer du bist. Eine weitere existenziell wichtige Frage ist die, zu welchen Dingen, Situationen, Menschen, Angeboten, Verführungen und Erpressungen du nein sagst. Sei dir nicht allzu schnell sicher, dass du es weißt. Auch in diesem Zusammenhang kommen lebenslang Ereignisse auf dich zu, die dazu geeignet sind, dass du zu immer besseren Antworten findest. Und sei nicht traurig, wenn du im Rückblick feststellen musst, wie oft du es nicht wusstest; wie oft du ja gesagt hast, wo ein klares Nein hingehört hätte. Es geht ja nicht darum, es von vornherein zu wissen, denn das Leben dient dazu, dass du lernst. Du weißt ja mittlerweile, dass das Leben dein Ich immer dabei erwischt, ahnungslos und blöd zu sein. Darum geht es ja. Also jetzt das Neinsagen. Dazu braucht es oft Mut, manchmal erst, wenn man genug von der eigenen Verzweiflung hat. Es führt zu Anständigkeit und Haltung, wenn man die eigenen Neins erst einmal gefunden hat. Aber auf dem Weg dorthin baut man viel Mist. Die Polarität zum Ja ist dabei unübersehbar. Mit dem geht es uns ja genau so. Nur umgekehrt.

2 Gedanken zu „Zu was sagst du nein?“

  1. Grade hab ich den Großteil des Nachmittags damit verbracht, meine Buchführung zu aktualisieren und die Steuererklärung vorzubereiten. Dabei hab ich auch alte Unterlagen aussortiert, die ich jetzt nicht mehr aufbewahren muss. Obwohl ich froh bin über die wiederhergestellte Ordnung, hat mich doch auch die Frage beschlichen, was das alles soll. Das ganze Hin-und Herfahren. Soundsoviele Kilometer in einem Jahr. Die niedrigen Preise, die ich früher verlangt habe. Manche Oberdeppen, für die ich gearbeitet habe und denen ich es ewig recht machen wollte. Wie riesig früher manche Aufgaben schienen, die ich heute eher easy erledige.
    Das hat jetzt nicht so viel mit Nein Sagen zu tun, aber mich hat der Satz von oben total aus der blöden Frage nach dem „was soll das alles?“ gerettet: „Du weißt ja mittlerweile, dass das Leben dein Ich immer dabei erwischt, ahnungslos und blöd zu sein.“
    Genau! Dabei hat mich das Leben schon oft erwischt! Und heute Nachmittag hab ich mich auch dabei erwischt! Und jetzt kann ich wieder frohen Sinnes weiter machen. Der frohe Sinn sagt Nein zur Vergeblichkeit.

  2. Ich habe mich hinterher schon oft gefragt, warum habe ich nicht NEIN gesagt: nur später ist man immer schlauer. Aber warum habe ich wirklich nicht verneint, vielleicht war ich feige, oder überfordert, überrumpelt? Ich habe keine Antwort.

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