- - - 26. März 2024 - - -

Nicht die Zeit für Tanz

Bei uns geht ein kalter Wind ums Haus und erinnert daran, dass nicht die Zeit für Tanz ist. Allüberall wird der Frühling angeschoben, aber das kann zu Missverständnissen führen. Noch ist kein Grund zu jubeln. Gut, es ist nicht aufzuhalten, das wissen wir ja alle. Chronos, Herr über die Zeit, mahlt und mahlt. Und jetzt schiebt er den Frühling eben an. Warum? Weil es dran ist So ist er eben, der Chronos. Immer zuverlässig, wenn auch nicht immer pünktlich. Aber Chairos, sein jüngerer Bruder, Herr über die kostbaren Augenblicke des tiefen Glücks, hockt noch eingesperrt in einer kleinen Kammer und übt seinen Text.
Derweil schauen wir über die kleinen Berge alten Lebens, die wir in Chronos Schatten angehäuft haben und wissen nicht so genau, wohin damit. Für diesen Plunder gibt es keine Müllabfuhr. Das Licht im März ist gnadenlos. Doch es gibt Hoffnung, sie stirbt zu keiner Zeit.

- - - 26. März 2024 - - -

Therapieraum Bauernhof

Wie es halt so kommen kann: manchmal wird man auch von Bergschafen geghostet. Wieso und warum weiß ich nicht, aber die Bergschafe sind nicht erschienen und wir haben auch nichts weiter von ihnen gehört.

Dann geht es halt ohne weiter.

Aber wohin geht die Reise, ist die Frage der Stunde. Wir sind mit Bauarbeiten beschäftigt. Nun schon im dritten Frühling. Aber dann wird damit endlich der ehemalige Kuhstall verwandelt und schön gemacht auf seine neuen Aufgaben warten. Der Therapieraum Bauernhof wird mit Leben erfüllt werden.

- - - 5. März 2024 - - -

Einen Schritt vor den anderen

Nicht, dass nicht auch große Sprünge hilfreich sind, aber wenn es drauf ankommt, wenn du es eilig hast, solltest du langsam machen und einen Schritt vor den anderen setzen. Wir sind ja am Ende eines Jahreszyklus angekommen. Der März ist ein seltsamer Monat. Alles hofft auf den Start in „the big spring-thing“. Aber die Kräfte sind jetzt schwach. Die Tiere haben keine Reserven mehr und das neue Futter wächst noch nicht. Bei uns Menschen ist es nicht anders, auch wenn wir nicht körperlich Hunger leiden, kommen wir augenblicklich noch nicht weit. Also schön langsam. Das Leben ist ein Labyrinth und du bist immer irgendwo auf dem Weg hinein oder hinaus.

- - - 5. März 2024 - - -

Mutti und Elli

In ein paar Tagen bekommen wir Zuwachs! Mutti und Elli, Mutter und Tocher von der Sorte Bergschaf bekommen bei uns ihr endgültiges Zuhause. Einst als “Rasenmäher” angeschafft, kamen sie danach zu einer kleinen Schafherde, die aber in der allernächsten Zeit geschlachtet werden soll. Weil die ursprünglichen Besitzer ihnen dieses Schicksal ersparen wollten, traf bei uns die Anfrage nach einem Herdenanschluss ein. Wir haben Ja gesagt, und nun freuen sich alle.

Damit haben wir dann endgültig eine bunte Herde. Jura-Schafe (Emma, Toffee und Lotti) Merino (Luisi), Ouessantschafe (Frieda und Fritzie) und Soaey-Schafe (Jakob, Franzl, Ruedi, Waldi, Mascha, Alma, Elsa, Rosi, Leni, Beeke, Fee). Und nun auch noch zwei Bergschafe. Juchei!

- - - 7. Februar 2024 - - -

Philotimia

Nur mal so angenommen, dass es heute auch noch üblich wäre, unsere Könige, die ja Gott sei Dank nur auf Zeit gewählte Politiker sind, nach einer gewissen Zeit des Regierens ins Labyrinth zu schicken, wie einstmals bei den kretischen Minoern, der ersten europäischen Hochkultur. Damit sie dort mit dem Minotaurus kämpfen, also mit dem Wilden, Animalischen, Bedrohlichen, Abgespaltenen in sich. Damit sie dort ihrem Schatten begegnen, all dem, dessen man erst dann gewahr wird, wenn nichts mehr da ist, das einen ablenken oder betäuben könnte. Wie würde es Kickl da drinnen ergehen? Oder dem Nehammer Karli? Oder gar Friedrich Merz und Söder?

Mit welchen Gesichtszügen wäre ihr Minotaurus ausgestattet? Man mag es sich gar nicht vorstellen.

Nur mal so angenommen, sie wären gerade zu dem Zeitpunkt, an dem sie ins Labyrinth geschickt werden, auch in ihrem persönlichen Erleben an dem Punkt angekommen, an dem sie zu einer Innenschau fähig wären. Also lernfähig. Könnten sie erkennen, dass sie sich selbst sehen, wenn sie den anderen anschauen? Genauer gesagt, dasjenige an ihnen, welches sie selbst nicht wahrhaben können oder wollen? Philotimia sollte man ihnen wünschen. Philotimia heißt, im anderen, im Gegner, auch immer den möglichen Freund zu sehen und sich bei allem, was man tut, von Achtung leiten zu lassen. Eine Form emotionaler Intelligenz. Äußerst selten in der Branche Politik.

- - - 26. Januar 2024 - - -

Das Geheimnis des Gartens

Der Garten mit seiner Grenze, die das Wilde ausschließt, ist wie ein geheimer Ort, an dem gedeihen kann, was in der Wildnis keine Chance hat. Behütet von uns, gehegt und geschützt. Hier treffen sich die Liebenden. In seinen Grenzen lädt der Garten zum Träumen ein. Ein Ort für Musik und die Grundlage für die unglaublichsten Köstlichkeiten, die später sozusagen als essbare Musik auf unseren Tellern dazu verführen mehr zu essen als wir eigentlich sollten.

- - - 24. Januar 2024 - - -

Schon immer hier?

„Bedenken Sie, wir waren schon immer hier“, sagte unser Bürgermeister zu uns und meinte: im Gegensatz zu euch, die ihr ja erst seit 35 Jahren hier lebt. Es ging um das Anrecht der Jäger, auf unserem Grund Krähen abzuschießen.  Man sieht, die Fantasien der österreichischen und deutschen Rechtsausleger von der Deportation der Migranten fällt auf fruchtbaren Boden. Denn es sind beileibe nicht nur die Rechtsextremen, die uns Migranten als geduldete Feinde betrachten. Das Einzige, was mich daran überrascht ist, dass die Allgemeinheit auf einmal furchtbar überrascht darüber ist.

Ich schaue sie mir alle an, die hier schon immer da waren und denke: Von wegen schon immer. Leute, ihr seid auch erst seit kürzester Zeit da. Bevor eure Mütter euch auf die Welt gebracht haben, gab es euch hier auch nicht. Und in ein paar Jahren – möget ihr auch in Frieden und Freude steinalt werden – seid ihr wieder verschwunden. Vorher und nachher sind also ganz andere Leute da. Es herrscht auf Erden ein Kommen und Gehen. Das ist das Prinzip irdischen Lebens. Niemand, wirklich niemand war schon immer da.

- - - 18. Januar 2024 - - -

Wonach wir im Leben suchen und wie wir es finden

Mir ist der Sinn meines Lebens oft, sehr oft verloren gegangen. Besonders in der ersten Hälfte meines Lebens, also den ersten 50 Jahren, wusste ich oft nicht, warum ich eigentlich noch weitermache.

Und wie ist es heute? Heute bin ich mir meiner selbst sicher. Schon lang. Ich habe – wieder – die Verbindung zu meinem Unterbewusstsein (meiner Vergangenheit) und meinem Überbewusstsein (meiner Zukunft und meiner Anbindung an das Göttliche) gefunden. Und bin dort angekommen, wo wir den Sinn des Lebens im Einfachen finden. Im einfachen Leben, in der Freundschaft zu anderen, ob Mensch oder Tier, in der Fürsorge für die, welche wir lieben und die, welche niemanden haben, der sie liebt.

Unseren Hof aufzubauen, zu roden, zu pflanzen, zu pflegen und zu ernten ist der Rahmen, in dem ich mich bewege, der mir Halt und Gelegenheit gibt, den Sinn meines Lebens täglich zu spüren und in Lebensfreude umzuwandeln.

Schwer zu sagen, was genau denn dazu geführt hat, dass mich die Krisen und Konflikte des Lebens nicht mehr niederschmetterten und nicht mehr verzagen ließen, sondern ich daran wuchs (hoffentlich). Ich will auch gar nicht den überstrapazierten Begriff Resilienz bemühen. Ich glaube aber, dass es zweier Dinge bedarf: der glasklaren und unbedingten, ausnahmslosen Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und außerdem der Bereitschaft, anderen zuzuhören und ihr Anderssein und Andersdenken anzuerkennen. (Was noch lange nicht heißt, dass man jeden kruden Mist, den jemand von sich gibt, gutheißt). Aber man sollte nicht missionieren. In keine Richtung.

Dann bleibt nur noch, das richtige Bitten zu lernen. Bitten, dass sich offenbaren möge, worum es im eigenen Leben eigentlich geht.

- - - 12. Januar 2024 - - -

Menschen sind bei uns eine Minderheit

Der Rohrberghof hat seine eigene Persönlichkeit. Das mag manchen Leser/innen blödsinnig vorkommen. Aber ich glaube daran, dass sich ein umgrenztes Gebiet, besucht und belebt von allen möglichen Lebewesen zu einem unsichtbaren, aber eigenen “Gebilde” entwickelt. So etwas wie eine unsichtbare soziale Skulptur. Wenn man genau hinschaut, so bietet jedes Haus, jeder Hof, jedes Schloss oder Gebäude die Bühne für immer dasselbe Geschehen, auch wenn die Bewohner von Generation zu Generation, von Käuferin zu Käufer wechseln, so folgen alle doch einem Thema, das sich immer wieder zeigt.

Das war am Schlangenberg so, und auch in der Blauen Villa, die ich in Gleichenberg bewohnte. Interessanterweise weiß man immer erst dann, wo man gelandet ist, wenn man sich schon mittendrin im Drama befindet.

Hier am Rohrberghof sind wir zwar schon mittendrin, aber so ganz hat es sich noch nicht erschlossen, an welchem “Spiel” wir teilnehmen. Zwei Dinge kann man ganz sicher sagen: Es gibt viel, sehr viel Arbeit und: wir Menschen sind in der Minderheit. Die Schafe, die Hühner, die Hunde, die Katzen – sie sind die eigentlichen Bewohner. Keiner von ihnen muss Futter und Obdach, Fürsorge und medizinische Versorgung mit seinem Leben bezahlen, aber sich an Regeln halten. Hunde dürfen Schafe, Hühner und Katzen nicht jagen, Schafe müssen auf ihren Weiden bleiben und unsere Felder und Gemüsebeete meiden, und so weiter. Und wir müssen dafür sorgen, dass alle zu fressen und es warm, trocken und sauber haben. Was wir dafür bekommen? Nun, nicht ihr Fleisch, aber die Wolle, die Eier, die Mäusebekämpfung und die Bewachung des Hofes. Und bald, so hoffen wir, werden sie Partner für junge Menschen, die es aufgrund körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung etwas schwerer haben, ins Leben zu finden, und die lernen wollen, wie wunderbar Gartenarbeit und Tierbetreuung für Seele und Geist ist.

- - - 7. Januar 2024 - - -

Leben auf dem Rohrberghof

Bei uns passiert nicht viel, und davon nur wenig. Herrlich!

Meine letzte große, mein Leben wieder völlig verändernde Entscheidung war, gemeinsam mit meiner jüngsten Tochter auf den Rohrberghof zu ziehen. 2021 packten wir alles, was wir hatten, zusammen, setzten die Schafe auf einen Transporter und zogen nach neun Jahren in Bad Gleichenberg wieder zurück in ein rurales Landleben wie einst auf dem Schlangenberg, der nur eine Viertelstunde vom Rohrberghof entfernt ist.

Es war wie heimkommen. Viele Nachbarn begrüßten uns erfreut, als wären wir nur kurz weg gewesen. Und im Gegensatz zu den Jahren am Schlangenberg, wurden wir diesmal als Bäuerinnen anerkannt und in die Gemeinschaft aufgenommen. Damals, in meinen wilden Jahren, blieb ich auf Distanz, um die Geschichten über das Dorfleben frei schreiben zu können. Und die Nachbarn blieben auf Distanz vor lauter Angst, in einem meiner Romane vorzukommen.

Der Rohrberghof hat ca. 8 ha, die wir selbst bewirtschaften. Wir haben Schafe, dazu, Hühner, Hunde und Katzen. Die letzten zwei Rosellasittiche, die nach 23 Jahren immer noch am Leben sind, haben wir auch dabei und – nicht zu vergessen – eine halbzahme Nebelkrähe, die ich einst zwei Jahre lang in einer Voliere gepflegt hatte, bevor ich sie wieder in die Freiheit entließ, und die uns selbständig hierher gefolgt ist und nun mit uns auf dem Hof lebt. Sie ist zwar frei, aber sie wird von mir regelmäßig gefüttert.

Wir bauen Gemüse an (mit Schwerpunkt Tomaten) und auf den Feldern alles außer Mais, also Soja, Sonnenblumen, Weizen, Hafer, Gerste.

Der Hof ist so ausgebaut, dass die behinderten Patient/innen meiner Tochter hier Ferienbetreuung finden und demnächst auch eine Tagesstätte für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene ihre Tore öffnet.

Mein Part dabei ist klein. Ich bin gern die Altbäuerin im Hintergrund. Ich schreibe. Neben der Versorgung der Tiere mein Lebenselixier. Wie immer. Ohne beides könnte ich nicht leben: Meine Tiere und das Schreiben.

- - - 6. Januar 2024 - - -

Kassandra

„ …wissend, dass Wissende niemals etwas gegen den drohenden Untergang ihrer Kultur/Zivilisation haben ausrichten können; wissend, dass wir Europäer in den letzten Jahrzehnten mehrmals Kriegen auf anderen Erdteilen zugesehen haben, die für die betroffenen Völker Vernichtungsdrohungen waren; wissend, dass nun also die anderen Erdteile ‚die Welt‘ ausmachen werden, die uns zusieht. Dass dies denkbar und möglich ist.“

(Christa Wolf, Voraussetzungen einer Erzählung: Kassandra)

Mir war dieses Buch von Christa Wolf immer wichtiger und eingehender als der eigentliche Roman über Kassandra, den sie geschrieben hatte.

Als sie diese Worte schrieb, existierte der Eiserne Vorhang noch. Dass Russland einmal Kriege gegen Tschetschenien, Georgien, die Ukraine führen würde, war undenkbar. Ebenso, dass es in Jugoslawien einen Krieg der Serben, Kroaten, Slowenen, Bosnier und Albaner geben würde.

Und noch undenkbarer, dass wir einmal dort stehen werden, wo wir jetzt sind. Uns trennen nur noch wenige Wahlen in mehreren Ländern, besonders aber die anstehende Wahl in den USA von dem Untergang des demokratischen Systems.

Mich hatte immer die Zeit beschäftigt, die in der Geschichtsschreibung und Archäologie das dunkle Jahrhundert genannt wird. Die Zeit um 1200 vor unserer Zeitrechnung. Es gibt sehr viele Ähnlichkeiten zu unserer Zeit. Der Trojanische Krieg gehörte damals mit in diese Zeit. Das, was wir heute behüten und retten wollen, war das, was damals nach dem Untergang der alten Zivilisation folgte. Das Patriarchat. Daraus kann man schließen, dass es immer irgendwie weitergehen wird. Der einzige Gedanke, der sich wirklich mit Hoffnung aufladen lässt, ist, dass wir Frauen – ja, wir Frauen, heute stärker und selbstbewusster, gebildeter und willensstärker denn je in den letzten 5000 Jahren sind.

Was können wir tun? Wie Christa Wolf schon schrieb, können wir nichts tun. Die Dinge nehmen ihren Lauf; haben ihn schon seit geraumer Zeit genommen.

Das Bild zeigt archäologische Ausgrabungen der Kultur der Hethiter, die im so genannten dunklen Jahrhundert (1200 vor Zeitrechnung) komplett untergingen